Klimatische Veränderung „Höllentäler“

Die „Grüne Lunge“ Freiburgs wird nachhaltig geschädigt.
Der “Höllentäler“ Der „Höllentäler“, ist in Freiburg als
abendlicher und nächtlicher Wind bekannt, der aus dem
Dreisamtal im Osten der Stadt kommend vor allem die
Innenstadt belüftet und an heißen Sommertagen eine
wohltuende nächtliche Abkühlung bringt. Die Luftqualität in der
Freiburger Innenstadt wird daher wesentlich vom „Höllentäler“
mit beeinflusst. Abgesehen von einem gelegentlichen
Überfließen des „Höllentälers“ über den Hirzbergsattel nach
Herdern werden die nördlichen Stadtteile von diesem
Windsystem nicht erreicht. Aufgrund ihrer Lage am Fuße des
Schwarzwaldes gehen aber auch diese Stadtteile nicht ganz
leer aus, vielmehr profitieren sie von schwachen Hangwinden,
die sich vor allem im Bereich des Altbachtales (Zähringen) und
des Immentales (Herdern) zu entwickeln vermögen. Der
„Höllentäler“ ist also als nächtlicher Bergwind, Teil des bei
windschwachen Strahlungslagen deutlich ausgeprägten „Berg-
und Talwind-Systems„ in Freiburg. Auf gar keinen Fall entsteht
er jedoch durch ein erzwungenes Überströmen des
Schwarzwaldes (Schwarzwaldföhn bei ausgeprägten Ostlagen).
Ursache des „Höllentälers“ Meteorologisch lässt sich die
Ausbildung des „Höllentälers“ prinzipiell wie folgt erklären: Mit
sinkendem Sonnenstand verringert sich die solare
Energiezufuhr zum Erdboden nach und nach und reicht bereits
einige Zeit vor dem Sonnenuntergang nicht mehr aus, den
Wärmeverlust der Erdoberfläche auszugleichen. Dieser
Wärmeverlust tritt durch Abgabe von Wärmestrahlung an den
Weltraum ein und ist daher besonders intensiv bei
wolkenarmem Himmel und klarer Luft. Mit der Erdoberfläche
kühlt sich auch die darüberliegende Luft von unten her
zunehmend ab. Diese Luftschicht wird dadurch gegenüber der
Umgebungsluft immer schwerer und fließt letztendlich dem
Gefälle eines Hanges folgend abwärts. Die Bündelung
zahlreicher solcher Hangabwinde im Bereich des Dreisamtales
und des Zartener Beckens östlich von Freiburg führt zur
Ausbildung des „Höllentälers“. Er wird 2 gespeist von
Hangabwinden, die sich auf einer Fläche von über 30 km zu
entwickeln vermögen. Wie diverse Messungen, die auch durch
Modellrechnungen bestätigt wurden, gezeigt haben, stammt
der Hauptanteil dieses Kaltluftflusses jedoch nicht aus dem
Höllental, sondern aus dem Bruggatal. Bei Kirchzarten im
Zartener Becken vereinigen sich die Zuflüsse aus den
einzelnen Tälern und fließen dann dem natürlichen Gefälle
folgend das Dreisamtal hinab Richtung Westen und damit
Richtung Freiburger Innenstadt. Den weitaus größten Anteil am
Volumenstrom des „Höllentälers“ haben dabei, wie schon
erwähnt, die Zuflüsse aus dem Bruggatal mit dem großen
Einzugsgebiet der ausgedehnten Wiesenflächen auf dem
Schauinslandsmassiv und nicht diejenigen aus dem
vergleichsweise engen und überwiegend bewaldeten Höllental.
Daneben spielen auch noch Kaltluftzuflüsse aus dem
Wagensteig- bzw. Zastlertal eine Rolle. Auswirkungen des
„Höllentälers“ Der „Höllentäler“ setzt in Strahlungsnächten
ziemlich regelmäßig etwa eine Stunde nach Sonnenuntergang
ein. Dabei beginnt er vor allem im Sommer meist schlagartig,
verliert jedoch bald wieder an Intensität bzw. schläft
vorübergehend ganz ein. Die Andauerzeiten dieser
Windpulsationen liegen im Mittel zwischen 30 und 80 Minuten
und kommen bei ausgeprägten Hochdruckwetterlagen etwa 5
bis 7mal pro Nacht vor. Die höchsten Windgeschwindigkeiten
können dabei in Böen bis mehr als 10 ms (Windstärke 5)
betragen. Im Winter ist dagegen die Böigkeit des
„Höllentälers“ deutlich schwächer ausgeprägt. Aufgrund der
orographischen Verhältnisse (Düsenwirkung) werden an der
Engstelle des Dreisamtales zwischen Schlossberg/Hirzberg auf
der nördlichen Talseite und dem Sternwald auf der südlichen
Talseite die höchsten Windgeschwindigkeiten des
„Höllentälers“ beobachtet. Sehr deutlich spürt man ihn aber
auch noch im Bereich der Innenstadt z. B. auf dem
Münsterplatz. Wer da im Sommer abends bei einem Viertele
Wein sitzt, weiß wie ungemütlich das werden kann. Positiv
wirkt sich der “Höllentäler“ mit Sicherheit auf die
bioklimatischen und lufthygienischen Verhältnisse in den
östlichen Stadtteilen und in der Innenstadt von Freiburg aus. Er
sorgt im Sommer nach Sonnenuntergang für eine raschere
Abkühlung in diesem Bereich, indem er die Luft der
innerstädtischen Wärmeinsel westwärts abdrängt und
gleichzeitig auch schädliche Luftbeimengungen aus dem
Innenstadtbereich hinaus verfrachtet. Ohne den “Höllentäler“
wäre es vor allem in der Innenstadt von Freiburg auf Grund der
Wärmeabstrahlung der sich tagsüber aufheizenden Gebäude
nachts deutlich wärmer und die Luft mehr mit Schadstoffen
angereichert. Auch ist als Folge des “Höllentälers“ die
Nebelhäufigkeit in den östlichen Stadtteilen deutlich geringer
als im Westen der Stadt. Häufig sehr schön zu beobachten ist
dieser Effekt im Winterhalbjahr, wenn, nach dem
Zusammenbrechen des „Höllentälers“ am Vormittag, der Nebel
sich erst dann bis in die östlichen Stadtteile im Dreisamtal
ausbreiten kann. Unbestritten werden die für Freiburg
unverzichtbaren Luftströme nachhaltig gestört. Auf die frühere
Argumentation bei der HBF Überbauung sei verwiesen.


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